Abfahrt
Abfahrt
13-08-2026
Es gibt nicht mehr viele Orte, wo ich so ungestört schreiben kann wie auf Zugfahrten. Es gibt keine Möglichkeiten, sich anständig hinzulegen, eine kurze Pause auf dem Balkon ist nicht wirklich möglich und auch die gelegentlichen Störfaktoren, die sich reinschleichen können, wenn man im “Homeoffice” ist, sind dann doch vielleicht mehr, als man durch das Zuhausebleiben an Fahrtzeiten spart.
https://www.youtube.com/watch?v=raRDdoswbsw&list=RDraRDdoswbsw&start_radio=1
Ich war schon wieder lange nicht zuhause und ein eigentlicher Londontrip sollte zu einer kleinen Heimreise werden. Es ist erschreckend, wie sich manche Sachen nicht verändern, wie sich manche Sachen schon lange verändert haben und wie man sich selbst verändert und davon nichts bis wenig ankommt.
Man ist wahrscheinlich zu einem gewissen Teil der Schatten im Kopf von anderen Menschen. Nichts anderes haben sie, um mit einem zu interagieren, und dieser Schatten gleicht vielleicht mehr einem Zerrbild, als er wirklich das ist, wie man sich selbst sieht und wie man sich auch selbst beschreiben würde. Doch gerade der Wandel der Person ist unsichtbar für die, die nicht nachfragen, und die Dinge bleiben konstant und nicht alle können die große Verwandlung sehen, der du dich unterzogen hast, und gleichzeitig kann niemand wissen, was in mir vorgeht, wenn ich es den Menschen nicht mitteile.
Ich bin dieser Sünde wahrscheinlich genauso schuldig wie die meisten anderen. Der Gedanke: Sie müssen mich doch verstehen, weil “ist es nicht logisch, was ich mir denke?” Sind die Schlüsse, die ich gezogen habe, nicht genau die richtigen, oder warum sehen alle das nicht genauso wie ich?
Meinen Gedanken zu vertrauen, hat mich schon häufig in Gegenden geführt, die für andere nicht nur missverständlich waren, sind und wahrscheinlich auch bleiben werden.
Regeln sind nicht nur Grenzen, sondern halten uns davon ab, andere Menschen vielleicht auch mit gutem Grund zu verletzen, egal ob es zu ihrem Nutzen ist. Nur weil ich mir gerade denke, dass es die Sprache ist, die sie verstehen.
Und ich mache den Fehler wahrscheinlich genauso oft wie du und kann mich von keinem dieser Fehler freisprechen. Es ist von außen so einfach zu urteilen und ich glaube, ich trage für alles davon eine Teilschuld.
Abwesenheit
Ich war lange weg und ich komme in Frieden. Ich habe nichts dabei außer Liebe.
Was bleibt von mir, wenn ich weg bin?
Sicher, dieser harte Eindruck: unabsichtlich konstruiert, weil auch ich nur ein Produkt dieser Welt bin und mit der ewigen Aufgabe betraut bin, diese harte Fassade langsam zu erweichen.
Es werden wieder ein paar Tage vergehen und ich fühle mich wie ein Gärtner, der seinen Garten sich selbst überlässt und über die Jahre nur zusehen kann, wie er sich langsam verändert. Ich kann zwar immer wieder mein Bestes geben, dass, wenn ich da bin, ich die Hecke stutze, neue Samen in jedes Beet tue und die besten Gegebenheiten aufbaue, sodass sich der Garten selbst verwalten kann. Doch so ein System aufzusetzen ist wahrscheinlich die Meisterklasse des Gärtnerns in Abwesenheit.
Mein Blick streift über diesen wundervollen Garten und ich kann nicht anders, als die prachtvollen Bäume zu sehen, die dort wachsen könnten, mit ertragreichen Ernten, Menschen, die sich darin treffen und das Leben in vollen Zügen zelebrieren.
Und was kann ich machen, als mit sanfter Stimme jedem Setzling gut zuzureden und ihm zu sagen, dass in seinem Schatten einst viele Menschen den Schatten genießen können und dass das Wachsen Arbeit erfordert und er sich nicht davon scheuen muss, weil die Alternative auch Arbeit erfordert?
An derselben Stelle zu bleiben, erfordert auch Kraft, vielleicht weniger als den Berg hinaufzurollen, aber wer sagt, dass die guten Dinge im Leben sich schlecht anfühlen müssen, anstrengend oder unsicher sein müssen?
Heterosuggestion
Ich kann dir natürlich 1001 Mal sagen, dass mehr in dir drinsteckt, aber wenn der innere Kritiker dir jedes Mal, wenn ich das sage, sagt, dass das nicht stimmt, dass ich am Lügen bin. Wie soll auch nur eines meiner Worte auf fruchtbaren Boden treffen?
Du musst dir auch selbst sagen, dass du mehr von dir selbst willst.
Nicht nur kurz in einen Schub an Motivation, nachdem du aus deiner 20-Minuten-Reel-induzierten Trance wieder aufwachst und dir denkst: “Jetzt kriege ich mein Leben zusammen”.
Ich hoffe jedes Mal, wenn du mir sowas sagst, dass heute der Moment ist, und auch wenn ich die Uhr danach stellen kann, wie unwahrscheinlich es ist, dass es dieses Mal klappt, hoffe ich doch unglaublich in mir selbst, dass sich dieses Mal etwas verändert.
Wie häufig man mir schon den Tipp gegeben hat, dass sich Menschen nicht verändern, und doch bleibe ich ein unverbesserlicher Optimist, weil ich nicht anders kann, als an das Beste in jedem Menschen zu glauben. Ich kann einfach nicht anders, als dich frei von deinen Lastern zu sehen, in all deinen Möglichkeiten.
Wir sind immer nur der Durchschnitt von den Menschen, mit denen wir uns umgeben, und die Schlussfolgerung für einige ist, ihre Freunde auszutauschen, sich von Menschen zu entfernen, die nicht auf deren Wellenlänge sind, oder sich neue Freundeskreise aufzubauen.
Für mich könnte es nicht befremdlicher sein.
Ich will jeden dieser Menschen gewinnen sehen und sicher sagt das jeder von sich, aber ich frage mich, wie viel Verantwortung wir für die Menschen um uns herum übernehmen für deren Wohlbefinden, dass die ihren Weg in ihrem Leben finden. Sicherlich braucht man auch dafür Kapazitäten und wahrscheinlich zeugt dieser Text auch wieder von dem absoluten Luxus, den ich habe, dass ich mir solche Gedanken überhaupt machen kann. Und auf anderer Seite sicher etwas zutiefst Pathologisches, dass es mir solch ein Anliegen ist, dieses Denken in die Welt zu setzen.
Yebba - Far Away Roll up all my ones
Take my chances
Hit another blunt
Watch the embers burn away
Pour a double cup
I’m dirty dancin’
What am I running from
When I run so
Far away, away, away, away
Far away, away, away, away