Osman Balde

Amor fati

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Wie kann ich mein Schicksal nicht lieben? Unabhängig davon, was ich davon halte, es passiert mir so, wie es nun mal passiert, und ich stelle mir die Reise eigentlich besser vor, wenn man sich vorstellt, die Dinge geschehen aus einem Grund. Sie passieren ja auch im wahrsten Sinne des Wortes aus einem Grund. Ohne Aktion keine Reaktion und etwas, das dem Jetzt vorausgegangen ist, bestimmt, was als Nächstes passieren wird.

Mich selbst zu bemitleiden wäre nichts weiter als Zeitverschwendung. Die Kränkung wird nicht kleiner dadurch und Selbstmitleid ist auch nicht das gesunde Verarbeiten von Dingen.

Das Leben geht weiter, mein Herz ist noch am Schlagen und mein Körper will sich bewegen. Was einem passiert, hat man nicht so ganz unter Kontrolle, aber wie wir darauf reagieren. Es ist zwar eine unfassbare Binsenweisheit, aber ich bin mir sicher, dass man das ein ganzes Leben lang üben kann.

Die Stärke von schwachen Verbindungen

Irgendwo in deiner Kontaktliste hast du diesen einen Kollegen, diese eine Freundin oder den einen Verwandten, mit dem du schon seit Monaten, vielleicht sogar Jahren, nicht mehr gesprochen hast. Nicht, weil ihr euch irgendwie zerstritten hättet, sondern man verpasst sich einfach. Manchmal denkt man länger nicht an den anderen oder lebt mittlerweile nicht mehr am gleichen Ort. Aber wenn ihr euch heute treffen würdet, dann hättet ihr eine klasse Zeit.

Das ist, was ich eine schwache Verbindung nennen würde.

Die schönsten Dinge im Leben kommen über diese zustande. Sie sind häufig ein vertrauter Zugang zu einem neuen Hobby, Netzwerk oder einer Tätigkeit. Wir teilen eine Form der Verbindung, aber da diese Personen häufiger ein wenig weiter entfernt von den anderen Knoten im Netzwerk sind, finden wir viel Neues mit einem vertrauten Einstieg.

Ich freue mich eigentlich immer, wenn ich neue Leute kennenlernen darf. Es ist immer lustig, einen kleinen Einblick in die Persönlichkeiten und das Leben von anderen Menschen zu bekommen und zu sehen, wie anders und gleich doch alle Menschen zueinander sind. Wir sind ja auch alle aus dem einen ähnlichen Stoff gemacht oder werden zumindest nach ähnlichen Bauplänen konstruiert.

Diese neuen Gruppen sind auch immer eine Möglichkeit, sich neu zu erfinden oder ohne die ganzen alten Lasten einer kohärenten Persönlichkeit zu sein. Wir haben kein Bild, das wir aufrechterhalten müssen, sondern können dort anfangen, wo wir jetzt gerade sind, und uns als die Person vorstellen, als die wir uns jetzt gerade betrachten. Diese anderen Konstellationen erlauben uns auch, einfacher vielleicht in andere Rollen zu schlüpfen.

Und selten kommt’s allein.

Wie viel man aus den jeweiligen Situationen in seinem Leben lernt, ist abhängig von einem selber. Ich kann immer und immer wieder denselben Fehler machen, aber wenn mir niemand zeigt, was ich falsch mache, dann werde ich auch nicht dazu in der Lage sein, irgendwas an diesem Verhalten zu ändern. Neue Gruppen sind in dieser Hinsicht weniger schonungslos, gerade wenn du gegen die Normen innerhalb dieser Gruppe verstoßen hast. So kann ein gewisser Sprachgebrauch in deiner normalen Freundesgruppe geduldet sein, aber ist es in dieser neuen nicht. Jetzt lernst du in der neuen Konstellation etwas dazu, was du auch in deinen anderen Gruppen anwenden kannst.

So fließt dann die eine Norm, Idee etc. von der einen Gruppe in die jeweils andere. Man selbst wird zum Übermittler und ist gleichzeitig auch der Filter, was man durchlässt.