Gute Tage
Nicht jeder Tag muss ein guter Tag sein, oder?
Das würde ich in Frage stellen, weil ja erstmal nichts dagegen spricht, dass jeder Tag einen zufriedenstellt und man sich gut fühlt. Dennoch ist der Unterschied, also der relative Unterschied zwischen unseren Tagen, sicher auch eine Komponente, die das Gefühl verändert, wie unser heutiger Tag war oder ist.
Wenn ich gestern einen echt schlechten Tag hatte, dann kann heute wieder mittelmäßig sein und ich werde das Gefühl haben, dass ich einen klasse Tag hatte. Deswegen würde ich mich nicht zu sehr auf mein Gefühl verlassen, wenn es darum geht zu sagen, ob ein Tag gut war oder ist.
Listen und Systeme
Meine Liste ist auch gleichzeitig mein System. Ich habe mir eine Reihe an Sachen festgelegt, die für mich einen guten Tag konstituieren. Ich bestätige die Sachen einfach jeden Tag und die Liste bleibt relativ konstant.
Für mich sind es eher die Metafaktoren, die einen guten Tag ausmachen.
Habe ich gelesen? Vielleicht etwas geschrieben? Bin ich genug Schritte gegangen und habe mich physisch (körperlich) betätigt?
Mein Gehirn mag es, mir Dinge vorzuspielen, weshalb ich mich nicht ausschließlich auf das Gefühl verlassen kann, ob ich mich heute produktiv gefühlt habe. Ich sollte Listen haben, auf denen Aufgaben stehen, die ich bemessen kann.
Sie fungieren wie der Algorithmus eines guten Lebens, weil sie die Grundsteine bereitstellen, die mich erfreuen. Über die Dauer meiner Tage finde ich einen größeren Schatz, zum Beispiel in den Dingen, die ich gelesen habe, weil sie mir die vielfältigen Perspektiven eröffnen, die mich schon immer gereizt haben.
Reflexion
Keine Liste sollte für immer gleich bleiben. Genau wie wir uns auch verändern, genauso sollten sich auch unsere Systeme mit uns entwickeln. Was vielleicht vor einem Jahr noch gut funktioniert hat, klappt nicht mehr so ganz in dieser neuen Umgebung. Also anpassen, entwickeln und weitermachen.
Es ist sicherlich gut, einen dedizierten Tag zu haben, an dem man sich mit nichts anderem beschäftigt als mit den Sachen, die man gemacht hat. Überprüft, ob sie mit unserem Innersten übereinstimmen, und uns dann weiter auf diese konzentrieren können.
Die Häufigkeit sowie der Abstand zum erreichten Ziel sind variabel. Abhängig von persönlicher Inklination tendieren einige Menschen dazu, einfach nur noch sich Gedanken über Ziele, Optimierungen und Sonstiges zu machen, sodass sie vergessen, dass diese Optimierungen nur Unterstützungen sein sollen, sodass sie gesund und fröhlich den Weg beschreiten können.
Auf der anderen Seite sind jene, die sich vielleicht zu wenig Gedanken über ihre Ziele machen. Vielleicht machen sie sich Gedanken, aber nie lang genug am Stück, oder sie vermeiden die Thematik komplett. Lenken mit ironischen Witzen davon ab, wenn man das Thema anschneidet, oder verabschieden sich bei der ersten Gelegenheit.
Es ist ähnlich wie mit dem Schreiben, dem Abschicken einer Nachricht oder eines Briefes. Sobald man es abgesendet hat, verlässt es die Grenzen des eigenen Kosmos und wird zu einem Teil der Konsensrealität, welcher von anderen Menschen betrachtet und falsch verstanden werden kann. Also halten diese Leute fest an dem, was sie bereits am Machen sind, und finden sich mit ihrem Weg ab.
Über- und Unterreflexion können beide recht schädlich sein. Ich empfehle hier, seine eigene Natur zu finden und zu schauen, ob man eine Art von Gleichgewicht finden kann, wo man genug im Handeln ist, sodass man sich auf dem Weg fortbewegt, aber auch genug Überlegung drin ist, sodass man auch den richtigen Weg wählen kann und den Hindernissen auf diesem ausweichen kann.
Gefühl
Ich denke, unsere Gefühle zeigen uns häufig, ob etwas gerade nicht stimmt. Vielleicht erfüllen wir alle Punkte auf der Liste, vielleicht sehen wir schon aus wie ein griechischer Gott, Geld ist auch mehr als genug vorhanden und dennoch ist dort eine Leere.
Auch wenn ich die Antwort nicht habe, was diese füllen kann, so bin ich mir doch recht sicher, dass das Gefühl ein guter Indikator dafür ist, dass es an etwas mangelt. Eventuell sind die Indikatoren, was ein gutes Leben ausmacht, falsch kalibriert, eventuell ist es eine hormonelle oder auch genetische Sache.
Etwas scheint nicht im Lot zu sein, es gilt herauszufinden, was es ist.
Und auch auf der anderen Seite. Wenn sich jeder Tag trotz nicht gut ausgefüllter Liste unfassbar gut anfühlt, dann gibt es vielleicht etwas anderes, was einen guten Tag ausmacht, als die Dinge, die du bereits erfasst hast.
Ganz unwissenschaftlich bin ich der festen Überzeugung, dass es immer Dinge geben wird, die sowohl positiv wie auch negativ auf einen einwirken, die sich nicht für uns erfassen lassen. Eventuell, weil wir die theoretischen Konzepte nicht kennen, unsere Sinne nicht scharf genug sind oder auch einfach nur, weil es (momentan noch) ein Limit an dem gibt, was ein Mensch in einem Leben lernen, wissen, verstehen und anwenden kann. Vielleicht sind das die ewigen Geister, die unser Schicksal prägen, die sich aber auf keiner Liste oder in keinem System einfangen lassen.
