Neustart
Anfang
Wie häufig kann man eigentlich neustarten und wie häufig versucht man es nochmal? Viele Dinge sind schwierig und nicht möglich beim ersten Versuch. Die Konsequenz ist, scheitern, aufstehen und es nochmal zu versuchen.
Die wenigsten Musikstücke, Endbosse oder sonstigen Herausforderungen werden beim ersten Versuch gemeistert. Das Aufbauen von Gewohnheiten, das Geschäft, das man sich ausgedacht hatte, oder die eigenen Gedanken scheitern an der Realität. Man kommt selten nach vorne, ohne auch einmal zu stolpern.
Man fängt entweder mit etwas an (macht damit weiter) oder man beendet es beziehungsweise hört mit etwas auf. Einige Sachen davon suchen wir uns nicht aus, andere davon sind gegeben. Wenn man sich vorstellt, dass man selbst wie ein Auto ist, dann braucht es konstanten Aufwand, Energieverbrauch oder man kommt zum Stillstand.
Oder wenn man sich einfach vorstellt, dass das Leben wie ein Wettlauf ist, dann bin ich fest davon überzeugt, dass eine der wichtigsten Sachen konstante Arbeit ist.
Menschen zusammenzubringen, in egal welcher Form und Farbe, erfordert dies auch.
Organizing
Mehr und mehr dritte Orte machen zu. Wir gehen nicht mehr in die Kirche und für diejenigen, die auf Tinder, Hinge, Bumble … am Swipen sind: Condoleo tibi. Dabei ist die Lösung so unfassbar naheliegend.
Du, ja genau, du musst einfach mehr organisieren. Das Einzige, was du machen musst, ist, Leute in einem regelmäßigen Abstand mit einem gemeinsamen Nenner zusammenzurufen und dann für was zu trinken und zu essen zu sorgen (das kann auch wahlweise an deine Gäste oder durch eine geschickte Bestellung entstehen).
Ich kenne niemanden, der mir sagt: „Es gibt zu viele Veranstaltungen, ich sehe meine Freunde und Bekannten zu viel, ich lerne zu viele neue Leute kennen.“ Ja, wenn du die eine Person bist, die mir zu diesem Thema in den Ohren hängt, dann herzlichen Glückwunsch. Wie bei sicher vielen anderen Sachen bildest du nicht den Durchschnitt und es ist sicherlich für dich ein Problem, für die meisten Leute wäre das Luxus.
Sowas kann natürlich extrem durchdacht sein, sodass du dir vorher unendlich Gedanken darüber machst, wer wann wo wie kann, was es zu essen geben sollte oder was für Getränke jetzt bereitgestellt werden. Oder du machst dir einfach weniger Gedanken und rufst einfach ein paar Leute zusammen. In meiner Erfahrung sind Leute eigentlich immer dankbar für Einladungen und helfen auch gerne, indem sie was mitbringen oder beim Aufräumen helfen.
Dunbar
„Und Wir haben vor dir nur Männer gesandt, denen Wir Offenbarungen eingegeben haben. So fragt die Leute der Ermahnung (Ahl adh-Dhikr), wenn ihr nicht wisst.“
Es hilft nicht immer, aber ich glaube, wenn man wissen will, wie man ein richtiger Mensch ist, sollte man sich anschauen, wie man ein richtiger Affe ist. Man kann sicherlich nicht alles von Bonobos oder Schimpansen übernehmen, aber ich glaube, ihre Gruppengröße verrät einiges.
Die Dunbar-Zahlen sind Staffelungen, wie viele Leute wir eigentlich kennenlernen können. Nehmt sie mit einer Prise Salz. Ich würde raten, dass diese Zahlen sich von Mensch zu Mensch unterscheiden können.
1,5:Der/die Lebenspartner/-in5:Unterstützer-Kreis15:Enge Sympathiegruppe50:Engerer Bekanntenkreis150:Stabiles soziales Netzwerk (Dunbar-Zahl)500:Bekannte1.500:Gesichter wiedererkennen
Ein Schwarm von Walen und Delfinen nennt sich Pod und umfasst ca. 2–30 Mitglieder. Wenn sich viele solcher Pods zusammentun, entsteht ein Superpod, der an die 2000 Mitglieder umfassen kann.
Formt mehr solcher Gruppen. Ihr braucht Gruppen, die sich analog treffen. Damit solche Gruppen stabil sind, brauchen sie eine Form von Organisationsprinzip und die meisten Freundesgruppen sind Do-ocracys. Also einfach ein bisschen Führungswillen zeigen und erneut: Die meisten Menschen werden dir dankbar sein.
Wenn du jetzt jemand sein solltest, der nicht nur einen Stamm an Leuten hat, mit denen er interagiert, sondern auch die Möglichkeit hat, mit einer Vielzahl an Leuten zu sprechen, dann solltest du der Conductor sein. Jemand, der Leute zusammenbringt und sie verbindet.
Das letzte Mal
Und vielleicht ist heute, morgen oder die Feier am Wochenende das letzte Mal, dass wir uns sehen. Vielleicht verschlägt es dich morgen zurück in die Heimat, ich muss vielleicht bald anfangen, in Washington zu arbeiten, oder das Schicksal meint es vielleicht doch nicht so gut mit uns und dann ist das Leben auch schon vorbei.
Der Geist der Vernunft und Produktivität sagt dir sicher, dass das dritte Bier vielleicht nicht mehr optimal ist, weil du ja morgen früh raus musst, noch ein Paket zur Post wegbringen und dann noch deine E-Mails bearbeiten magst. Und es stimmt auch alles, aber man darf halt nicht vergessen: Du und ich, heute hier, wird so nie wieder passieren. Wenn du morgen also nicht mehr da bist, stehe ich gerne mit den leichten Kopfschmerzen und einem geräderten Gefühl auf, weil ich weiß, wir haben zumindest ein wenig unserer begrenzten Zeit gemeinsam hier verbracht.
Und damit bis bald!
