Warum koche ich eigentlich?
Gefühle sind wichtig und wenn man sich nicht mit ihnen auseinandersetzt, brechen sie zu verschiedenen Situationen raus und das häufig in Formen und Ausprägungen, wie wir es uns am wenigsten wünschen würden. Aber wie würde es eigentlich aussehen, wenn dort einfach nichts ist, was droht, rauszusplatzen, weil die Emotionen sehr viel schneller verarbeitet wurden?
Es würde sicher von außen aussehen, als wäre keine emotionale Regung geschehen. Es wirkt vielleicht kalt oder verkopft.
Seinen Emotionen Platz zu geben, heißt für mich nicht, ihnen freien Lauf zu lassen. Wenn ich aus Wut jemanden anschreien möchte, dann wäre das, der Emotion komplett freien Lauf zu lassen: Ich schreie also die Person an. Unterdrücke ich das Gefühl, passiert erstmal nichts, aber wenn die Person dann das Fass irgendwann zum Überlaufen gebracht hat, platzt es nur so aus mir heraus und wahrscheinlich dann nicht verhältnismäßig zu der Sache, die dann in diesem Moment passiert ist.
Die dritte Option für mich ist, die Emotion in etwas Sinnvolles zu verwandeln. Die Wut ist sicher aus einem Grund da, eventuell eine empfundene Ungerechtigkeit, ein Unverständnis für eine Aktivität oder etwas anderes.
Wir verwandeln die Wut und versuchen, den unterliegenden Kern zu adressieren, ohne dabei ausfallend zu werden.
Dieser Prozess verbraucht immense Mengen an Willen, weil wir uns selbst regulieren müssen, und braucht natürlich auch eine gewisse Introspektionsfähigkeit und ein gewisses Kommunikationstalent. Wenn ich nicht einmal identifizieren kann, woher die Kränkung rührt oder warum ich das Bedürfnis habe, ausfallend zu werden, dann werde ich auch niemals mein zukünftiges Verhalten in eine Richtung anpassen können, sodass mein Verhalten auch dem entspricht, wie ich mich selbst betrachte.
Sich die Zeit zu nehmen, zu verstehen, warum man die jeweiligen emotionalen Reaktionen verspürt, kann sich aus vielen Perspektiven lohnen.