Osman Balde

Wohin mit meinem Leben?

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Ich sehe mich recht häufig damit konfrontiert, dass ich mit Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern spreche und sich das Thema auf die obige Fragestellung richtet. Natürlich ist es nicht immer dieselbe Fassung, aber das Zugrundeliegende bleibt eigentlich gleich: Was soll ich mit der begrenzten Zeit, die ich hier auf der Erde habe, machen?

Warum stehe ich auf?

Ich glaube, die Frage haben sich die meisten Menschen nicht wirklich gestellt. Es gibt kein größeres Ziel, das sie verfolgen. Sie leben, weil es nun mal das ist, was sie machen. Auch ihre täglichen Aktivitäten gleichen eher Gewohnheiten als zielgerichtetem Verhalten. Ich sehe darin eine gewisse Faulheit, weil es einfach ist, in den Tag zu leben und sich von seinem eigenen Leben eher leben zu lassen, als selbst zu leben. Vielleicht ist das ein einfaches Leben. Sich selbst die Frage zu stellen: „Was will ich eigentlich von diesem Leben?“ konfrontiert einen mit vielen unangenehmen Realitäten:

  • Viele Möglichkeiten sind schon verstrichen oder waren vielleicht niemals wirklich erreichbar. Yuki Kawamura ist 170 cm groß und damit mit weitem Abstand der kleinste Spieler in der NBA (der Durchschnitt liegt eher bei 198 cm).
  • Mein Ziel ist sehr weit von mir entfernt. Zu realisieren, dass die Dinge, die man wirklich haben will, sehr weit weg sind, ist eine ernüchternde und häufig auch demotivierende Erfahrung.
  • Der Blick nach links und rechts verrät mir, dass ich vielleicht im Vergleich zu anderen Leuten zurückgeblieben bin: sei es emotional, finanziell oder intellektuell.
  • Die Realisation, dass ich eigentlich gar keine Ahnung habe, was ich will, wer ich bin und wohin es mit meinem Leben gehen soll.
  • … hundert weitere harte Realitäten.

Also, warum stehst du eigentlich auf? Vielleicht hast du eine Idee davon, was dir gefällt, vielleicht hast du auch eine Vision, wie ein gutes Leben aussieht. Viel Reisen, einen netten Partner, ein großes Haus in einer schönen Stadt und all die anderen Sachen, die einem der Social-Media-Feed vorlebt. Doch wie die meisten hast du keine Ahnung, wie du dort hinkommst, oder vielleicht weißt du das auch und es gibt einfach zu viele Möglichkeiten. Choice Paralysis.

In meinen Mechanismen versuche ich, ein paar Prinzipien zu sammeln, mit denen man sich durch das Leben navigieren kann. Vielleicht ist dort auch etwas, das dir dabei hilft, deinen Weg zu finden.

Viele Wege und keine Ziele

Wenn du nichts machen willst, musst du anfangen, viele neue Sachen zu probieren. Auch hier wirst du sicher intuitiv immer wieder zu den Optionen gezogen, die du bereits kennst. Anstatt was Neues auszuprobieren, lieber das bekannte Übel wählen, als potentiell etwas noch Schlimmeres zu bekommen. Es ist dasselbe Konzept wie bei jemandem, der keine Lust auf neues Essen hat, weil er potentiell Geld verschwenden könnte, und deswegen einfach bei dem bleibt, was er bereits kennt. Solltest du dich in der Situation wiederfinden, dass du eigentlich gar keinen Plan hast, was du mit deinem Leben machen willst, dann solltest du konstant auf der Jagd nach was Neuem sein.

Ich glaub auch nicht, dass ein Ziel oder viele Ziele zu haben das Problem löst. Mein Ziel kann sein, in League of Legends Diamond zu werden, 10 kg Muskelmasse aufzubauen und mit möglichst vielen Frauen zu schlafen, aber wahrscheinlich wird mir nichts davon nachhaltige Zufriedenheit geben. Die Griechen nannten das Eudaimonie und wenn du eigentlich sonst nichts liest, dann lies dir eventuell mal die ersten paar Absätze von dem Artikel dazu auf Wikipedia durch.

Sicher wird es auch jemanden geben, der durch die oben genannten Ziele seine Eudaimonie findet, aber ich glaube, um ehrlich zu sein, das ist eher weniger wahrscheinlich. Zumindest würde ich in Frage stellen, ob das für die meisten Menschen irgendwie gilt.

Das heißt also, dass Ziele allein nicht zur Erfüllung beitragen. Ich denke, sie sind entscheidend für ein fokussiertes, strukturiertes Leben, in welchem wir einen Beitrag leisten wollen. Doch das, was uns wahre Erfüllung bringt, ist eine Form von Resonanz. Welche Aktivität vibriert in einer Frequenz, die zu deiner Seele passt? Wann fühlst du dich vollkommen, wo bist du in deinem Element?

Man kann unterschiedlich vorgehen, wenn man sein Calling sucht. Ist man ein rein impactorientierter Mensch, dann kann man sich seinen Bereich suchen und versuchen, darin viel zu bewirken. Das Leben von vielen Menschen zu verbessern und daraus seine Erfüllung zu ziehen. Auf der anderen Seite kann ich auch vollkommen alles um mich herum vernachlässigen und nach absoluter Selbstrealisation streben. Das hat häufig den Effekt, dass es auf Kosten von vielen anderen Dingen und Personen geschieht, kann aber auch ein erfülltes Leben versprechen. Natürlich gibt es hier auch seine Mischformen, wo man das eine macht und sich am anderen orientiert.

An sich gibt es noch viele andere Wege, seinen Sinn zu finden. Manche Leute brauchen eine Nahtoderfahrung, andere müssen 25 werden und realisieren, dass ihr Leben zu mehr als 25 % bereits vorbei ist, und wieder andere müssen erst Vater werden, um ihren Arsch hochzukriegen.

Ausreden

Du liest das hier vielleicht und schüttelst eventuell mit dem Kopf.

Du stimmst mir vielleicht bei den Sachen zu oder verneinst sie vehement (ich bin mir recht sicher, dass es hier nicht viele Graustufen geben wird).

Du findest also Gründe, warum du nicht aktiv werden musst, oder auf der anderen Seite bist du gerade so motiviert wie noch nie, den Sinn in deinem Leben zu finden, oder …

Du befindest dich in demselben apathischen Zustand. Dich interessiert nichts, alles ist eh egal, weil wir sterben ja sowieso alle.

Fang an.

Es gibt wenig Gründe zu warten. Nichts hält dich wirklich davon ab und wenn doch, kannst du sicher einen Weg drumherum finden. Wo ein Wille, da ein Weg. Doch nichts passiert, wenn du nichts machst. Du wirst für immer ein Spielball der Umstände bleiben, wenn du dich nicht dazu entscheidest, einfach mal aufzustehen und die unangenehmen Schritte zu gehen.

Vielleicht besteht der Weg darin, nach Hilfe zu fragen, weil ich weiß, dass das unfassbar schwierig für dich ist. Möglicherweise musst du dich unangenehmerweise auf deinen Hosenboden setzen und musst vielleicht 500 Bewerbungen rausschicken. Oder dein Anfang besteht in einem schwierigen Unterlassen und du musst einfach mal aufhören, jeden Tag 2 Stunden für Mark Zuckerberg kostenlos zu arbeiten.

Es sind viele Schritte, die dich an dein Ziel bringen, und es ist vielleicht nicht ganz so wichtig, wie groß deine Schritte sind, wie schnell du am Laufen bist oder dass du haargenau das Ziel bereits kennst. Wichtig ist, dass du endlich anfängst zu laufen, und der Rest wird sich schon auf dem Weg ergeben.

Schreib dir die Sachen auf. Du kannst dir vielleicht 5–9 Sachen maximal merken und erst in schriftlicher Form werden uns viele Sachen klar. Es ist auch gut, wenn du in ein paar Monaten nochmal draufgucken kannst, was du dir da eigentlich gedacht hast, was deine Ziele sind und waren. Deine Vorstellungen von dir selber und damit auch deine Entwicklung aufzuzeichnen. Know thyself. Überprüf dich selber und vertrau nicht immer darauf, was sich in diesem Moment gut anfühlt. Sei dir der Konsequenzen deines Handelns bewusst und vor allem versuch, das zu finden, was dich erfüllt. Es kann nicht schaden, wenn du dir den Beitrag in ein paar Monaten nochmal durchliest und schaust, was eigentlich passiert ist.