Mechanismen Teil 5 von 6
Druck
Entspannung ist gut, aber ohne Druck geschieht nichts. Ist vielleicht sehr hart ausgedrückt, aber da sich heute mehr als die Hälfte der Leute zu Prokrastinierern zählt, kann ich wohl getrost annehmen, dass auch du schon häufig die Erfahrung gemacht hast, dass der Großteil der Arbeit erst kurz vor der Deadline entsteht.
Das Gesetz nach Parkinson besagt: Arbeit dehnt sich auf die ihr gegebene Zeit aus.
Dazu gibt es gute Experimente mit Schülerinnen, bei denen man geguckt hat, wie gut deren Essays jeweils sind, wenn man denen eine Stunde Zeit gibt, einen Tag oder eine Woche. Ergebnis: Man kann fast keinen nennenswerten Unterschied feststellen und ein Großteil der Arbeit geschah kurz vor der Deadline. Ich frage mich also, warum wir Sachen häufig entspannt angehen wollen, wenn ein wenig mehr Druck für bessere Ergebnisse und weniger mentales Befassen mit der Aufgabe sorgt.
Ich will häufig die Aufgaben direkt erledigt haben und auch das hat gegebenenfalls seine Nachteile. So braucht nicht jede Aufgabe sofortige Bearbeitung, einige Sachen sind später leichter zu lösen oder lösen sich von alleine. Die wenigsten Aktivitäten und Aufgaben im Leben verhalten sich so. Die meisten von ihnen werden mit der Zeit nur schlimmer, gerade wenn man sie komplett unbearbeitet lässt. Es gibt diesen Mythos über Napoleon, dass er seine Post 3 Wochen lang rumliegen lassen hat und sie, wenn sie dann noch immer wichtig war, bearbeitet hat. Auf der einen Seite eine coole Geschichte, auf der anderen Seite wahrscheinlich exakt nicht das, was die meisten Leute tun sollten. Die ganzen Fäden im Blick zu behalten und die Übersicht nicht zu verlieren, genau einzuschätzen, was davon wichtig ist und was eben nicht, ist eben der Skill, der vielen Menschen fehlt. Es ist vor allem keine Fähigkeit, auf die man sich verlassen möchte, auch wenn man es könnte. Es ist gut, wenn man mit 95 % Wahrscheinlichkeit auf einer Slackline balancieren kann, aber wenn diese Linie jeden Tag zwischen zwei Wolkenkratzern gespannt wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis du fällst, und abhängig von der Fallhöhe reicht es aus, einmal richtig abzurutschen.
Auf der anderen Seite kann zu viel Druck auch krank machen. Es ist, wie gesagt, die Balance zwischen zu viel und zu wenig. Das Paradoxe ist, dass sich die meisten Leute in beiden Zuständen gleichzeitig befinden. Auf der einen Seite machen sie sich zu wenig Metadruck, sie schauen nicht, dass sie sich in die richtige allgemeine Richtung bewegen, erzeugen aber sehr viel lokalen Druck an Stellen, wo dieser gar nicht nötig ist. Druck kann auf der einen Seite motivieren, kann aber auch Leute erdrücken.
Druck ergibt eine Richtung für Personen, in welche sie sich dann bewegen. Egal, ob es ein Verkauf ist oder das Wasser. Wir bewegen uns von Druck weg und nehmen dabei den leichtesten Weg. Es sollte also gut überlegt sein, in welche Richtung das Ganze geht und dass man seine Ziele hoch genug ansetzt.
Ziele sollten ambitioniert sein und über seine Ziele zu sprechen, kreiert Druck auf der Außenseite. Jemand ohne Ziele kann nicht scheitern, aber jemand, der nicht scheitert, ist wahrscheinlich nicht weit gekommen. Es ist wichtig, ein Verständnis dafür zu haben, wann der Druck einen die Klippe runterdrückt und wann es auch okay sein kann, zu fallen, gerade wenn es sich dabei nur um einen 30-cm-Fall handelt. Der Vergleich kann einem hier das Genick brechen oder einen darauf aufmerksam machen, dass man sich in einer nicht so guten Situation befindet. Der Blick nach links oder rechts verrät mir nichts darüber, wer ich bin und wie weit ich für meine Verhältnisse sein sollte, informiert mich aber darüber, was für andere Leute möglich ist, und für die meisten Leute sollten die meisten Sachen sehr erreichbar sein. Im Gegenteil, die wenigsten Sachen sind faktisch unerreichbar für die meisten Leute.
Jeder Mensch ist, was Druck angeht, anders. Andere brauchen nur ein ambitioniertes Ziel und setzen sich dann gegen sich selber durch. Andere brauchen einen Rivalen, den skeptischen Blick der Eltern oder müssen einfach nur eine Deklaration im Internet machen (nichts anderes sind diese 30-Tage-Transformationsvideos). Druck soll nicht ein Wegrennen von sein, sondern ein Anstupser in die Richtung. Der Druck entsteht nicht ohne Grund und wir haben einen Weg, wo es hingeht, und die Energie hingesteuert werden will.