Osman Balde

Motivation Teil 2 von 2

Motivation

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Der Titelträger dieser Reihe. Motivation wird meines Erachtens sehr überschätzt. Ja, es gibt sowas wie eine langfristige Motivation, aber Motivation ist eher etwas sehr Flüchtiges, das mal da ist und mal nicht. Mal über eine längere Zeit häufiger auftaucht und dann auch mal wieder nicht. Das Wichtigste, was es zu Motivation zu verstehen gibt, ist, dass sie kein Garant dafür ist, dass wir irgendetwas zu Ende bringen, noch dass wir eines unserer Ziele erreichen. Es braucht andere Systeme, die für die Motivation kompensieren. Die greifen selbst, wenn wir nicht motiviert sind und eigentlich etwas anderes machen wollen. Motivation kann natürlich auch ein guter Kompass sein, um uns zu zeigen, ob unsere gesetzten Ziele mit dem übereinstimmen, was wir eigentlich wollen, aber ich will mich hier nur auf den Fall konzentrieren, wo man sich im Ziel sicher ist, aber Motivation mal weniger und mal mehr vorhanden ist.

Biologie behandelt die biologische Komponente und ist quasi die Basis dafür, dass wir überhaupt ein für uns normales Verhältnis an Motivation aufbauen können.

Geschichten

Wir erzählen uns konstant irgendwelche Geschichten. Diese sind die Grundlage für die Dinge, die wir anstreben, die Dinge, die wir glauben, und wie wir uns auf einer tagtäglichen Basis verhalten. Es gibt dabei Geschichten, die näher an der Wahrheit dran sind und uns aber vielleicht weniger motivieren, und Geschichten, die weiter weg sind, aber angenehmer für uns sind. Es gibt auch Geschichten, die beides sehr gut vereinen, aber aus der reinen Perspektive von Motivation gibt es einige Geschichten, Glaubenssätze und Gedanken, die hilfreich sein können.

Damit wir uns überhaupt in eine Richtung motivieren können, müssen wir uns vorstellen können, dass wir etwas machen können. Also, wenn es in unseren Gedanken möglich ist oder wir auf eine andere Art und Weise den Eindruck erlangen, dass etwas möglich ist, dann können wir auch eine Motivation dafür entwickeln. Das eine Gym-Video ist vielleicht motivierender, weil man das Vorher-Nachher gesehen hat und sich in der Transformation wiedergefunden hat. Man sieht quasi den Weg und was es erfordert. Am besten noch in eine passende Routine verwandelt + einen Ernährungsplan und schon ist man motiviert.

Was ist hier passiert?

Wir hatten ein spezifisches Ziel, das klar ersichtlich und messbar ist.

Wir halten es für relevant, wir können es erreichen und haben einen festen Zeithorizont.

Wenn man all diese Sachen hat, kann man überhaupt erst richtig motiviert sein. Manchmal reicht es auch nur, wenn im Zusammenhang mit einem Ziel einfach nur ein spezifisches intrinsisches Gefühl erwächst. Dann will ich einfach diese Uhr verstehen und nichts anderes.

Selbst diese Dinge sind häufig, wenn man sie genauer betrachtet, auch sehr motivierend, weil es nicht heißt, dass ich jede Uhr auf der Welt verstehen will, sondern diese Uhr, die gerade vor mir liegt. Offene Ziele können auch gut funktionieren oder seine Ziele auf dem Weg ändern, aber je klarer die Schritte sind, die uns zu unserem Ziel führen, umso besser werden wir daran arbeiten können.

Gesellschaft

Es gibt viele Dinge, die wir nur für uns tun, aber die meisten Sachen involvieren andere Menschen. Wir wollen so sein wie sie, wir wollen, dass sie uns in einem speziellen Licht sehen. Vielleicht wollen wir in genau diesem einen Aspekt auch einfach anders sein als alle anderen. Wir existieren in einer Art von Wechselwirkung mit der Gesellschaft. So wollen die einen vielleicht Sport machen, um gesund zu sein, aber sicherlich auch ein nicht allzu kleiner Teil, um gut auszusehen. Das gute Aussehen hat in unserer Gesellschaft sicher auch einige praktische Vorteile, aber wie wir auch wieder bei genügend Leuten sehen, geht es dann auch nicht mehr darum, “optimal” trainiert zu sein, sondern “maximal”.

Diese Art von toxischer Motivation ist ein Kartenhaus und mag auch halten, bis man ein richtiges Fundament bauen konnte. Man sollte aber nie vergessen, dass eine solche Motivationsgrundlage auch schnell wieder verschwinden kann. Wenn man die Dinge ausschließlich auf Basis von externer Motivation oder instrumentellen Faktoren durchführt, sollte man sicherstellen, dass diese Externen auch Bestand haben für die Dauer des Projektes.

Wenn ich also nur trainieren gehe, um dieser einen Person zu gefallen, und diese dann auf einmal weg ist, so entfällt das Fundament fürs Training und so wird auch die Motivation in Vergessenheit geraten. Das Gleiche passiert, wenn ich die Aktivität als reines Instrumentarium betrachte. Also die Basis für meine Motivation für dieses Studium war der angeblich sichere Job, den ich danach in der Firma von meinem Onkel hätte, aber jetzt, wo er in meinem vierten Semester pleitegegangen ist, hab ich eigentlich keinen Grund mehr, dieses Fach zu studieren.

Es geht mir gut.

Deshalb auch die Reihenfolge. Motivation ist nicht der niedrigste Baustein, sondern speist sich aus unserer Biologie. Also die Menge an Motivation, die wir aufbringen können, und die Menge an Energie, die etwas für uns verbraucht. Doch selbst wenn die höchsten Mengen an Energie vorliegen, kann es einfach sein, dass ich keine Lust habe. Vielleicht, weil ich den Weg nicht sehen kann, der mich zu besagtem Ziel führen soll. Vielleicht, weil ich den Weg sehe und mir denke, das dauert 10 Jahre und nicht 10 Tage, um das zu lernen. Vielleicht, weil ich das Ganze vielleicht sehe, verstehe und fühle, aber das Ganze einfach keine Relevanz für mein Leben hat.

Ich könnte vielleicht viele Fußballvereine, Spieler und Statistiken auswendig lernen, aber das hat einfach wenig bis keine Relevanz für mich. Nicht jeder muss an allem interessiert sein, gerade weil nicht alles relevant für mein Leben ist. Deswegen muss ich auch nicht Motivation für alles aufbringen können.

Sich selbst motivieren zu können, ist eine wichtige Fähigkeit, und dafür muss man sich häufig nur oft genug eine plausible Geschichte erzählen. Beide Füße müssen in der Realität sein und der Blick muss von Rosarot auch schnell wieder auf “normal” schalten können.

Wenn du also bei dir ein kleines Motivationsproblem für die “wichtigen” Sachen festgestellt hast, dann zerleg diese “wichtigen” Ziele in kleinere Happen. Schau dir einmal genau an, wie du wohin kommst, wie lang du brauchst und was davon für dich relevant ist. Es kann sicher nicht schaden.

Und damit bis bald!